69 Prozent der Pflegefachpersonen in Deutschland schlafen so schlecht, dass es negative Auswirkungen auf ihre berufliche Leistungsfähigkeit hat. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage von Psyma im Auftrag von „Deutschland schläft gesund“ hervor. Eine von sieben Pflegenden lässt sich sogar aufgrund schlechten Schlafs krankschreiben.

Aus Sicht des Deutschen Pflegerates ist die Schichtarbeit ein wichtiger Grund für den schlechten Schlaf der Pflegekräfte. „Menschen sind 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche, krank oder pflegebedürftig. Die Gestaltung des Nachtdienstes ist sehr unterschiedlich und es ist zunehmend schwer, in einen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus zurückzufinden“, sagt Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates.

Darunter leiden die Pflegefachpersonen persönlich, aber in der Konsequenz auch die Gepflegten in Deutschland. Ingo Fietze, Vorsitzender von „Deutschland schläft gesund“: „Eine mittelgradig müde Person hat eine um zehn Prozent geringere Reaktionsfähigkeit und ein um zehn Prozent eingeschränktes visuelles Wahrnehmungsfeld. Dass dies zu Unfällen führen kann, ist nachvollziehbar. Als Schlafmediziner bin ich auch sicher, dass Schichtarbeit maßgeblich zu mehr Verkehrsunfällen führt, wenn der Schichtarbeiter morgens nach der Schicht nach Hause fährt.“

Die Umfrage von Psyma fand im Mai 2019 statt und wird heute von Deutschland schläft gesund vorgestellt. 135 Pfleger wurden bundesweit gefragt.

Wie kann die Situation verbessert werden?

Der Deutsche Pflegerat und „Deutschland schläft gesund“ fordern, dass:

  • die Arbeitsbelastung insgesamt reduziert wird, indem mehr Stellen in der Pflege geschaffen werden. (In Krankenhäusern arbeiten heute 64% der Pflegefachpersonen allein und versorgen dabei im bundesweiten Mittel 26 Patientinnen und Patienten. Allein in der Altenpflege wurde im Jahr 2016 rund 9,5 Millionen Überstunden geleistet.)
  • die Arbeitsschutzbestimmungen z. B. bezüglich Pausen im Nachtdienst von den Pflegeeinrichtungen eingehalten werden. (Im Verdi Nachtdienst-Report 2017 berichteten über 70% der befragten Pflegefachpersonen, dass sie in der untersuchten Nachtschicht keine ungestörte Pause machen konnten.)
  • die Dienstplanung möglichst entsprechend den Wünschen der Schichtarbeitenden gestaltet wird. (Dies ist der wichtigste Wunsch der Schichtarbeiter, die medizinische Erfahrung zeigt, dass so Schichtarbeit am besten toleriert wird.)
  • der geplante Dienstplan eingehalten sowie ‚einspringen‘ bei Personalausfällen auf ein Minimum reduziert wird. (Über 40 Prozent aller Pflegenden, müssen heute aus organisatorischen Gründen mehr als 3 Mal monatlich ungeplante Schichten übernehmen.)
  • gesundheitsförderliche Ausgleichsmöglichkeiten im Sinne der betrieblichen Gesundheitsförderung zur Verfügung stehen. (Gesunde Bewegung und Ernährung wird gesundheitspolitisch gefördert. Gesunder Schlaf bisher nicht. Dabei werden Beschäftigte in der Altenpflege doppelt so häufig erwerbs- oder berufsunfähig wie andere Berufsgruppen.)
Zum Deutschen Pflegerat e. V. (DPR)

Der Deutsche Pflegerat e. V. wurde 1998 gegründet, um die Positionen der Pflegeorganisationen einheitlich darzustellen und deren politische Arbeit zu koordinieren. Darüber hinaus fördert der Zusammenschluss aus 15 Verbänden die berufliche Selbstverwaltung. Als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens und Partner der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vertritt der Deutsche Pflegerat heute die Interessen von insgesamt 1,2 Millionen Beschäftigten in der Pflege. Über die berufliche Interessenvertretung hinaus ist der Einsatz für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung oberstes Anliegen des Deutschen Pflegerats.

Weitere Informationen zum Thema Stress & Schlaf unter:

www.deutschland-schlaeft-gesund.de/themenfokus-stress-schlaf // info@deutschland-schlaeft-gesund.de

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